Sechszehnte Ausgabe. 23. Juli 2026
Liebe Kleist-Freundinnen und Freunde, liebe Mitglieder,
heute zuerst ein herzliches Willkommen an unsere neuen Mitglieder und viel Spaß mit dem Abendletter, den wir drei bis vier Mal im Jahr versenden. Wir freuen uns, dass unsere Geburtstagsaktion 250 neue Mitglieder für 250 Jahre Kleist auf ein erstes Echo gestoßen ist.
Bis zu unserem Ziel von 250 neuen Mitgliedern ist es allerdings noch ein gutes Stück. Nutzen Sie also die Sommerpause auch für entspannte Mitgliedergewinnung – vielleicht bei einem Eis oder kühlen Glas Wein. Möglicherweise kommt das Gespräch dabei ganz von selbst auf Heike Geißlers mutigen Roman Michaela Kohlhaas oder auf den wachsenden Kleist-Blog in der Staatsbibliothek zu Berlin?
Zeit für Gespräche könnte auch eine Fahrt nach Frankfurt (Oder) bieten, um im Kleist-Museum der Sonderausstellung „Zerbrochne Harmonien“ oder der Dauerausstellung „Rätsel, Kämpfe, Brüche“ einen letzten Besuch abzustatten.
Gemeinsam mit allen langjährigen und neuen Mitgliedern blicken wir gespannt dem Jubiläumsjahr 2027 entgegen. Allmählich steht unser vielfältiges Veranstaltungsprogramm, das wir Ihnen in diesem Abendletter erstmals näher vorstellen möchten.
Wir freuen uns schon jetzt auf den Austausch mit Ihnen und auf viele anregende Begegnungen rund um unseren Jubilar und sein immer wieder faszinierendes Werk! Schließlich erinnere ich noch einmal daran, dass alle Mitglieder auch selbst aktiv werden können. Sprechen Sie befreundete Journalistinnen, Theatermenschen oder Stadtbibliotheken auf das Kleistjubiläum an! Auch Veranstaltungen in Kooperation mit der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft sind möglich, dann bitte dem Vorstand ein Konzept zuschicken, damit wir uns darüber verständigen können.
Achten Sie bei all Ihren Aktivitäten bitte auf die Temperaturen draußen. Ich wünsche Ihnen einen erholsamen Sommer!
Herzliche Grüße aus Berlin
Ihre Anne Fleig
Kleist 250

Das Jubiläumsjahr 2027 bietet die besondere Gelegenheit, Heinrich von Kleist, sein Werk und seine bis heute wirksame Faszination neu zu entdecken. Geplant sind wissenschaftliche Tagungen zu den Anfängen und Schlüssen bei Kleist an der Universität Bonn, zu Kleist und von Arnim in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, zum journalistischen Schreiben bei Kleist und Fontane in Potsdam sowie zur Kleist-Rezeption anhand der Jubiläen 1877, 1927 und 1977 im Rahmen unserer nächsten Jahrestagung in Berlin. In Vorbereitung ist auch ein gemeinsamer Ausflug nach Thun in der Schweiz (9.-11.9.2027), wo wir uns die Anfänge von Kleists Schreiben im Berner Oberland vergegenwärtigen können.
Einen Höhepunkt des Jubiläumsjahres wird das Literaturfestival Kleist radikal gegenwärtig am 12./13. Juni 2027 im LCB am Wannsee bilden, das Kleists Lebendigkeit in der Gegenwartsliteratur feiert.
Selbstverständlich wird es auch jenseits von Oder und Spree Jubiläumsveranstaltungen geben, beispielsweise eine Tagung zu Kleists Choreografien des Zweikampfs in Mannheim und eine große Veranstaltungsreihe in Bamberg mit dem Titel Kleist heute. Wir haben auf unserer Homepage eine neue Seite zum Jubiläum angelegt, auf der Sie ab dem Herbst alle Termine mit genauen Angaben zu Thema/Zeit/Ort finden.
Ankündigungen der Mitglieder
Theatertipp von Andrea Bartl

Eric Wehlan und Laura Röseler in der Bamberger Inszenierung von Der zerbrochne Krug; Copyright: Marian Lenhard
Im E.T.A. Hoffmann Theater in Bamberg (Intendanz: John von Düffel) wird derzeit Der zerbrochne Krug als Freilicht-Aufführung in sensationeller Kulisse gespielt: in der Alten Hofhaltung beim Dom mitten im UNESCO-Weltkulturerbe-Gebiet. Regisseur Jasper Brandis und Dramaturgin Antonia Leitgeb-Busche setzen dabei (bei starker Text-Treue) einen klugen Schwerpunkt auf die großen anthropologischen und gesellschaftskritischen Fragen des Stückes, die es zeitlos aktuell machen: Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt, Vertrauensverlust, Ohnmacht, Fake News – bis hin zu Fragen der Wehrpflicht.
Am Ende gibt die Inszenierung bewusst der bei Kleist verstummenden Eve eine Stimme: In einem langen, berührenden Monolog (aus Kleists Variant) berichtet hier Eve selbst vom Missbrauch durch den Dorfrichter und ihre Familie.
Die Inszenierung wechselt nach dem Sommer ins Große Haus des Bamberger E.T.A. Hoffmann Theaters, wo außerdem am 9. Januar 2027 die Text-Collage Kleist, Ulrike von von Lea Mantel uraufgeführt wird. Die Bamberger Krug-Inszenierung ist sehr zu empfehlen und auch auf Kleist, Ulrike von kann man (im besten Sinne) gespannt sein.
Ich hatte die Freude, mit John von Düffel, Antonia Leitgeb-Busche und dem Schauspieler Eric Wehlan (Dorfrichter Adam) sowie der Schauspielerin Laura Röseler (Eve) eine Informationsveranstaltung zu Der zerbrochne Krug vor 1.000 Abiturientinnen und Abiturienten zu gestalten und mit dem Team im Vorfeld fachliche Gespräche über Kleists Krug zu führen. Im Winter 2026/2027 veranstalten wir erneut gemeinsam I nfo-Veranstaltungen für Abiturientinnen und Abiturienten.
Weitere Informationen zu dieser Krug-Inszenierung finden Sie auf der Homepage des E.T.A. Hoffmann Theaters.
Aufruf zu Spenden und Mitwirkung von Miriam Sachs
Liebe Kleist-Gesellschaftsmitglieder,
im letzten Kleistjahr hatte ich das Glück, mit meinem Ensemble eine interdisziplinäre Reihe zwischen Künstlern und Wissenschaftlern verwirklichen zu können.
Diesmal steht Kleist als Zeitungsherausgeber der Berliner Abendblätter im Fokus. Sein Ringen um Wahrheit, Hören-Sagen, Fake-News und die Auflagen des Ministeriums reibt sich an heutiger Aktualität. Ein Kernmodul ist der Film Das Verausgaben des Heinrich von K, in dem Kleist im heutigen Berlin auftaucht. Im Arbeitsprozess kann ich leider nicht auf Förderbescheide warten, ich muss in Vorleistung gehen und stemme das zurzeit finanziell alleine.
Spenden oder gar Mitwirken wären sehr willkommen, denn unsere Arbeitsweise stellt Proben und Entdecken selbst in den Fokus: Die allmähliche Verfertigung des Filmes beim Recherchieren begleitet Kleist an Orte, die prägend für sein Experiment auf dem schmalen Grat zwischen Fiktion & Wirklichkeit waren. Ihr könnt helfen, diese wesentliche Vorarbeit entstehen zu lassen und über das Konzept hinaus plastisch zu machen. Dabei entstehen Arbeitsproben wie diese: Projekttagebuch I.
Über die Arbeit hält das Projekt-Tagebuch auf dem Laufenden.
Über Spenden, Frage, Anregungen würde ich mich sehr freuen. Spenden via Paypal oder (falls Spendenquittungen gebraucht werden) auf das Konto der Kleistgesellschaft: IBAN DE18 1007 0024 0034 2022 00
Wichtig: Verwendungszweck angeben: "Spende für Kleist Kaleidoskopisch".
Termine
Preis für den besten studentischen Kleist-Aufsatz 2026
Vor Beginn der vorlesungsfreien Zeit erinnern wir noch einmal an die Ausschreibung für unseren „Preis für den besten studentischen Kleist-Aufsatz“. Eingereicht werden können literaturwissenschaftliche Beiträge über Heinrich von Kleists Texte. Weitere Einschränkungen in Bezug auf Thema, Text- und Kontextauswahl oder Methodik bestehen nicht. Einzige Bedingung: Die Verfasserinnen und Verfasser sind Studierende (oder Doktorandinnen und Doktoranden in der Anfangsphase ihrer Promotion).
Die Teilnahme erfolgt durch Selbstbewerbung der Studierenden. Bitte reichen Sie uns den Kleist-Aufsatz (max. 20 Text-Seiten, 12 pt Schriftgröße, Zeilenabstand 1,5) und kurze biographische Informationen ein. Hinweis: Der Aufsatz sollte in Form eines eigenständigen, konzentrierten und in sich abgeschlossenen Beitrags vorliegen. Eine Hausarbeit, BA-Arbeit oder MA-Arbeit kann zwar als Grundlage für den eingereichten Text dienen, müsste aber entsprechend überarbeitet werden.
Bewerbungsschluss ist der 1. September 2026. Bewerbungen werden per Mail erbeten an: Prof. Dr. Anne Fleig und Prof. Dr. Andrea Bartl.
Kleistpreis-Verleihung
Die Matinee zur Verleihung des Kleistpreises an Thomas Melle Seel findet am Sonntag, 22.11. um 11 h im Deutschen Theater Berlin statt. Am Klavier werden sie Friederike Bernhardt aus Leipzig mit Neuer Musik hören.
Lesung des Kleistpreisträgers
Am Vorabend der Preisverleihung, am Samstag, 21.11., findet im frisch sanierten Literaturhaus Berlin in der Fasanenstraße eine Lesung und ein Gespräch mit dem Kleistpreisträger Thomas Melle statt. Die Moderation übernimmt Svealena Kutschke.
Fundstücke
Sammelbilder mit Kleist-Motiven


Anfang der 1950er Jahre begann die Berliner Margarinefabrik GmbH in der Reihe Berlin einst und jetzt vier Sammelbilderalben herauszugeben. Um die Alben für interessierte Sammler spannender zu gestalten, wurden sie mit farbigen Bildern, Fotos und Vignetten ausgestattet. Die Alben werden bis heute immer mal wieder im Handel angeboten. In den Alben 3 und 4 gibt es einen Kleistbezug. Das Album 3 Berliner Sagen enthält farbige Bilder von Hans Hartmann, Heinz Ludwig, Werner Kruse und Ewald Meyer sowie Fotos aus dem Ullstein-Bildarchiv und dem Archiv Spielberg-Druckerei. Außerdem gibt es ein Kapitel über Hans Kohlhase mit 7 Sammelbildern und 2 Vignetten (Abb. 1 -3), die von Ewald Meyer stammen.

Am Schluss des Kapitels stehen die Sätze: "Mit seiner Dichtung Michael Kohlhaas hat der Dichter Heinrich von Kleist den Kämpfer für das Recht unsterblich gemacht. Der Dichter aber ruht am Wannsee für immer aus." Unter diesen Sätzen findet man eine Vignette vom Kleistgrab, die der Zeichnung von Paul Meyerheim nachempfunden ist. Auf der folgenden Seite (Abb. 4) ist "Das Schlußkapitel aus Michael Kohlhaas von Heinrich von Kleist" abgedruckt.


Album 4 mit dem Titel Berliner Porträts werden 40 in Berlin bekannte Persönlichkeiten mit Sammelbildern vorgestellt, von Paul Gerhardt über Heinrich von Kleist bis Ernst Reuter. Bei diesem Album wurden die Bilder von Hans Hartmann, Heinz Ludwig und Gerd Szymanski ausgestaltet, die Fotos stammen wiederum vom Ullstein-Bildarchiv und Archiv Spielberg-Druckerei, die Vignetten gestaltete Ewald Meyer. Zu Kleist gibt es ein farbiges Sammelbild, ein Foto von seinem Grab, und eine Vignette, auf der man offenbar sehen kann, wie er über ein Schlachtfeld spaziert (Abb. 5).
Burkhard Wolter
Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft
c/o Prof. Dr. Anne Fleig
Freie Universität Berlin
Institut für deutsche und niederländische Philologie
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin
E-Mail anne.fleig@fu-berlin.de