18. und 19. März 2027 (Call for Papers bis 15.05.2026)
Universität Mannheim
Organisiert von Julian Sieler und Thomas Wortmann, Universität Mannheim
Anlässlich des Kleist-Jahres 2027 veranstalten wir in Kooperation mit der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft einen Workshop an der Universität Mannheim, der sich mit Zweikampfszenen in Heinrich von Kleists Werk auseinandersetzt. Diese sind präsent quer durch die Vielfalt seiner Texte, finden sich in Kleists Dramen ebenso wie in seine Erzählungen, in den Anekdoten (z.B. Mutterliebe, Baxer) und den theoretischen Texten (z.B. Von der Überlegung). Der Workshop konzentriert sich nicht auf die bereits intensiver erforschten sozialgeschichtlichen Dimensionen unter anderem des Ehrduells, sondern auf die literarästhetische Form der Kampfszenen.
Kleists Zweikämpfe – so die Annahme – sind poetisch in hohem Maße durchformte und zugleich kontingente, chaotische Ordnungen von Körpern und Bewegungen. Der Zweikampf ist bei Kleist eine improvisierte Choreografie zwischen Balance und Exzess, Tanz und Gewalt, Kontrolle und Affekt. Im Fokus stehen die Schreibweisen der antagonistischen Bewegungen in ihren Rhetoriken, Rhythmen, Asymmetrien und Spiegelungen (Amphitryon).
Die Szenen sind bei Kleist Momente der sprachlichen Intensität und Verdichtung. Der sprachliche Ausnahmezustand geht einher mit einem sozialen, insofern sind die Zweikämpfe ein Fluchtpunkt von Kleists Schreibens. Zwei Körper treten in gewaltvolle Beziehung zueinander, entsprechend lässt sich nach den entworfenen Körperpoetiken fragen, nach der Verhandlung von Macht, Identität und Geschlecht, aber auch nach Sport, Agon, Spektakel und Theatralität. Die Zweikämpfe sind die Klimax körperlicher Intimität: Spiel, Gewalt und Begehren gehen ineinander über – nicht nur in der Penthesilea. Es geht um Körper, die Widerstand leisten, ebenso wie solche, die dazu nicht in der Lage sind (vgl. Marquise von O….); um weibliche und männliche Körper, die exponiert, verwundbar oder handlungsfähig werden; es geht vieldeutig um die Verschränkungen von Hass, Rache (Michael Kohlhaas, Der Findling) und Liebe (Die Verlobung in St. Domingo, Penthesilea). Zweikämpfe werden geplant (Der Zweikampf), entstehen im Affekt (Der Findling), entstammen Missverständnissen (Die Verlobung in St. Domingo, Penthesilea). Der Zweikampf kann sich ausweiten zu Massengewalt und Krieg – Clausewitz zufolge „nichts als ein erweiterter Zweikampf“ –, umgekehrt können sich Zweikämpfe innerhalb von Massenszenen der Gewalt herausbilden, etwa am Ende des Erdbebens in Chili.
Ziel des Workshops ist es, die literarische Urszene des Zweikampfs entlang der skizzierten Linien als zentralen Bestandteil der Poetik Kleists zu perspektivieren. Der Workshop soll sowohl neue Lektüren prominenter Szenen ermöglichen als auch zum Blick auf dezentrale Textstellen einladen (etwa den Angriff auf Kohlhaas’ Frau oder Ruprechts Angriff auf Adam im Krug). Erhofft werden zudem neue Perspektiven auf die journalistischen und theoretischen Texte, etwa auf Über das Marionettentheater und Von der Überlegung.
Der Workshop findet am 18. und 19. März 2027 an der Universität Mannheim statt und richtet sich an Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Karrierestufen.Möglich sind Vorträge mit verschiedensten Themensetzungen, Leitfragen und Thesen innerhalb des nachgezeichneten breiten Panoramas. Bitte senden Sie Abstracts für einen 30-minütigen Vortrag sowie kurze biobibliographische Informationen bis zum 15.05.2026 an julian.sieler@uni-mannheim.de und wortmann@uni-mannheim.de.
Reise- und Übernachtungskosten werden übernommen. Eine Publikation der Aufsätze ist geplant.